Gesund aufwachsen im Revier

Corona: Wie schütze ich meinen Nachwuchs? Experte des Westf. Kinderzentrums gibt Tipps

Kinder kommen nach bisherigem Kenntnisstand besser mit dem neuen
Coronavirus klar als Erwachsene. Das sind für Prof. Dr. Dominik Schneider,
Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin im Klinikum Dortmund,
ermutigende Nachrichten. „Kinder sind ja sonst für Virusinfekte empfänglicher
als Erwachsene. Infektionen mit dem neuen Coronavirus hingegen
sind bei ihnen nicht häufiger als bei Erwachsenen, denn für dieses neue
Virus sind alle Menschen immunologisch wie Kinder. Vor allem bewältigen
sie die Infektion aber besser als Erwachsene und erkranken nur selten
schwer“, sagt der Experte.

Die Zahlen der ersten Wochen der Epidemie zeigen bislang, dass in Deutschland
vergleichsweise wenige erkrankte Kinder und Jugendliche gemeldet worden sind.
Mögliche Ursachen könnten sein, dass weniger Kinder infiziert sind oder dass sie
häufiger keine Symptome zeigen und daher nicht getestet worden sind. Denn
eine Corona-Infektion könne bei mildem Verlauf in der Regel gut zu Hause auskuriert
werden; auch Abstriche seien da nicht nötig. „So ein Abstrich hat keine
Konsequenzen auf die Therapie, nämlich ausruhen und Symptome wie Fieber
behandeln.“ Woran diese geringe Infektionsrate bei Kindern liegt, wird man erst
im Rückblick beurteilen können, wenn in Studien Antikörperuntersuchungen
durchgeführt werden.

Impfungen:

Bezüglich der Regelimpfungen bei Babies empfiehlt Prof. Schneider keine Unterbrechung.
„Nur weil jetzt Corona da ist, machen ja die anderen Erreger keine
Pause. Die Impfungen und wichtigen Vorsorgeuntersuchungen, gerade in den
ersten beiden Lebensjahren, werden in Dortmund von den Kinderärzten auch
weiter angeboten“, so der Mediziner.

Schwangerschaft und Geburt:
Corona in der Schwangerschaft führt nicht zu Fehlbildungen des Kindes. „Die
Infektion geht nicht über die Blutbahn, sondern spielt sich in den Atemwegen ab.
Das bedeutet, dass das Kind über den Mutterkuchen geschützt ist“, erklärt Prof.
Schneider. In verschiedenen neuen Studien konnte gezeigt werden, dass das
Virus nicht vor der Geburt auf das Neugeborene übertragen wird. Mit der Geburt
ist dieser Schutz dann aber vorbei. Die Frage ist daher, wie bei einer Infektion der
Eltern vorgegangen werden soll. Hier sind die Empfehlungen noch nicht eindeutig.
Wer infiziert ist und stillt, kann natürlich versuchen, dass das Stillen unter
reinlichsten Bedingungen erfolgt. Das Virus scheint nicht in die Muttermilch überzutreten.
„Wenn das Kind aber zu Hause bei frisch infizierten Eltern lebt, wird
eine Abschottung schwer und ist eigentlich unmöglich“, sagt Prof. Schneider.
Bisherige Daten zeigen aber, dass auch Säuglinge diese Infektion gut überstehen,
allerdings sind dann schon schwere Verläufe häufiger als bei älteren Kindern.

Schwere Vorerkrankungen:
Bei Kindern mit Vorerkrankungen (z.B. Leukämie, Tumor) sind die Daten aller-dings noch recht unsicher. Auf alle Fälle sollten sie dringend geschützt werden – gemeinsam mit der ganzen Familie. „Man darf diese schwer vorerkrankten Kinder nie isoliert betrachten. Kinder leben in ihrer Familie – und deshalb müssen wir den Schutzring um die Familie legen. Das bedeutet: null physischer Kontakt, aber gerne soziale Kontakte, aber nur über die Medien“, so Prof. Schneider. Konkret gehe es bei diesen Familien deshalb darum, dass sie nun viel vorab organisieren müssen: Wer kann uns unterstützen, wer kauft für uns ein usw.

Asthma:
Die Daten sind noch widersprüchlich, aber Prof. Schneider sieht ganz oft, dass Kinder, die ein gut kontrolliertes Asthma haben, generell gut durch Virus-Infektionen kommen. „Das dürfte bei Corona nicht anders sein. Also, bitte keine notwendige Therapie aussetzen“, empfiehlt der Experte. Und: Kinder dürfen auch weiterhin an die frische Luft, aber immer mit den gleichen Menschen – also mit der Familie. „Wir sollten eine Durchmischung vermeiden, so wie es jetzt auch die Politik beschlossen hat.“

Prof. Schneider weist jedoch bei alledem auch darauf hin, dass die Medizin gera-de am Anfang der Erkenntnis in Sachen Covid-19 steht und der Wissensstand sich Tag für Tag ändern kann. Wir müssen daher ständig lesen, lernen und unse-re Empfehlungen immer wieder überprüfen.


Erstellt am Freitag, 27. März 2020, 09:57 Uhr