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Fokus Ernährung: Eine interprofessionelle Herausforderung

Fokus Ernährung: Eine interprofessionelle Herausforderung

10. Ruhrgebietskongress für Kinder- und Jugendgesundheit am 4. Juli 2026

Die Ernährungsgewohnheiten von Kindern und Jugendlichen haben sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert und stellen zunehmend eine gesundheitliche und gesellschaftliche Herausforderung dar. Ernährung beeinflusst nicht nur Wachstum und körperliche Entwicklung, sondern auch psychisches Wohlbefinden, soziale Teilhabe und langfristige Gesundheit. Ungesunde Ernährungsweisen, Bewegungsmangel und eingeschränkte Zugänge zu gesundheitsfördernden Angeboten wirken sich bereits früh auf die Gesundheit aus. Besonders betroffen sind sozial benachteiligte Familien, wodurch gesundheitliche Ungleichheiten verstärkt werden. Hinzu kommen psychische Faktoren wie Essstörungen, emotionales Essverhalten sowie der Einfluss sozialer Medien und gesellschaftlicher Körperideale. Ernährung ist daher weit mehr als eine individuelle Entscheidung – sie wird von sozialen, emotionalen und strukturellen Bedingungen geprägt.

Vor diesem Hintergrund stand das Thema Ernährung als interprofessionelle Herausforderung im Mittelpunkt des diesjährigen Kongresses zur Kinder- und Jugendgesundheit der Initiative GESUND AUFWACHSEN IM REVIER.

Keynote von Dr. Kathrin Sinningen zum Thema „Gesunde Ernährung von Anfang an – Chancen und Hürden“

Den Auftakt des Kongresses gestaltete Dr. Kathrin Sinningen, stellvertretende Leiterin des Forschungsdepartments Kinderernährung der Universitätskinderklinik Bochum, mit ihrer Keynote „Gesunde Ernährung von Anfang an – Chancen und Hürden“. Sie präsentierte die Optimierte Mischkost (OMK) als alltagstaugliches Ernährungskonzept und machte deutlich, dass gesunde Ernährung häufig mit einfachen Maßnahmen wie einer ausgewogenen Lebensmittelauswahl und Wasser als Regelgetränk beginnt. Gleichzeitig betonte sie, dass die Umsetzung von Ernährungsempfehlungen stark von den Lebensbedingungen der Familien abhängt. Soziale Ungleichheit und Armut erschweren vielen den Zugang zu einer gesundheitsförderlichen Ernährung. Auch die Vorbildfunktion der Eltern sowie mögliche politische und verhaltensbezogene Ansätze wie „Nudges“ oder die diskutierte Zuckersteuer wurden thematisiert.

Die zentrale Botschaft: Gesunde Ernährung beginnt nicht bei Verboten oder Spezialprodukten, sondern bei guten Rahmenbedingungen und der frühzeitigen Förderung positiver Essgewohnheiten.

Kinder sind kein Sparpaket – es braucht ein Gesamtpaket an Maßnahmen

Die abschließende Podiumsdiskussion am Vormittag. v.l.: Berit Schoppen, Dr. Burkhard Rodeck, Dr. Kathrin Sinningen und Dr. Sabine Schipper

In der anschließenden Plenumsdiskussion diskutierten Dr. Burkhard Rodeck (Vertreter der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V. (DGKJ) und der BAG Gesundheit & Frühe Hilfen), Berit Schoppen (Leitung Landesvertretung NRW, DAK-Gesundheit) und Dr. Kathrin Sinningen über Voraussetzungen für eine gesundheitsförderliche Ernährungsumgebung. Einigkeit bestand darin, dass Einzelmaßnahmen nicht ausreichen. Ob Zuckersteuer, Werbebeschränkungen für ungesunde Lebensmittel, bewegungsfördernde Lebenswelten oder die stärkere Einbindung von Bildungseinrichtungen – wirksame Prävention kann nur gelingen, wenn diese Ansätze gemeinsam gedacht und umgesetzt werden.

Diese Diskussion wurde in drei Fachforen vertieft:

  • Essverhalten im Spannungsfeld psychischer Belastungen und gesellschaftlicher Einflüsse
  • Prävention: Von der individuellen Entscheidung zur fairen Ernährungsumgebung
  • Ernährung im Kontext chronischer Erkrankungen

Im ersten Forum diskutierten Judith Lepper (LVR-Universitätsklinik Essen), Regina Maienhöfer (Gesundheitsamt Kreis Recklinghausen) und Sabine Dohme (ANAD Versorgungszentrum Essstörungen) Ursachen und Folgen von Essstörungen sowie Unterstützungsangebote für betroffene Kinder, Jugendliche und ihre Familien. Besonderes Augenmerk lag auf dem wachsenden Einfluss sozialer Medien auf Körperbild und Essverhalten.

Das zweite Forum widmete sich wirksamen Präventionsstrategien. Prof. Dr. Stephanie Stock (FrühstArt), Andrea Sippel (Kiko for Kids, Universitätsklinikum Essen) und João Rodrigues (BARMER) beleuchteten gesundheitspolitische Rahmenbedingungen, frühe Interventionen und Ernährungsbildung. Deutlich wurde, dass Prävention häufig dort am schwersten umzusetzen ist, wo sie am dringendsten benötigt wird.

Im dritten Forum diskutierten Viola Singer (Obeldicks, Vestische Kinder- und Jugendklinik Datteln), Stefanie Biermann (Nutreatec GmbH) und Dr. Henriette Högl (Kindernetzwerk e. V.) die Bedeutung von Ernährung bei chronischen Erkrankungen. Ernährung beeinflusst Krankheitsverlauf, Therapieerfolg und Lebensqualität maßgeblich. Neben medizinischen Aspekten standen auch Teilhabe, Selbstständigkeit und die Herausforderungen für Familien im Fokus. Ein besonderer Schwerpunkt lag auf Adipositas, die heute als chronische Erkrankung anerkannt ist und bereits im Kindes- und Jugendalter gravierende gesundheitliche und psychosoziale Folgen haben kann.

Gesundheitskompetenz von Kindern und Jugendlichen stärken

Trotz unterschiedlicher Perspektiven zog sich eine zentrale Erkenntnis durch den gesamten Kongress: Gesundes Ernährungsverhalten ist weder ausschließlich Ergebnis individueller Entscheidungen noch allein Folge gesellschaftlicher Rahmenbedingungen. Erfolgreiche Prävention gelingt dort, wo beides zusammengedacht wird.

Gesundheitsförderung braucht Rahmenbedingungen, die gesundes Aufwachsen ermöglichen, und zugleich die Stärkung von Gesundheitskompetenz, damit Kinder und Jugendliche diese Chancen nutzen können. Die Impulse des Kongresses sollen dazu beitragen, Kinder und Jugendliche in ihren Lebenswelten zu erreichen und gemeinsam die Voraussetzungen für ein gesundes Aufwachsen zu schaffen.

Impressionen vom 10. Ruhrgebietskongress

Die nachfolgenden Partner unterstützen den Ruhrgebietskongress zur Kinder- und Jugendgesundheit mit einem Sponsoringbetrag von jeweils 900€.

Wir danken allen Partnern für ihre Unterstüzung.