Gesund aufwachsen im Revier

LWL-Direktor: „Psychisch kranke Kinder kommen vermehrt in die Behandlung“

Berührungsängste schwinden – Seelische Störungen beginnen oft in jungen Jahren

Löb LWL

LWL-Direktor Matthias Löb.
Foto: LWL

Hamm (lwl). Jeder zehnte junge Mensch in Deutschland ist psychisch krank – und immer mehr Betroffene kommen zwischen Kleinkindalter und Volljährigkeit auch in Behandlung. Mit aktuell steigenden Flüchtlingszahlen sehen sich Kinder- und Jugendpsychiater zusätzlichen Herausforderungen gegenüber. Darauf hat Matthias Löb, Direktor des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL), am Montag (9.11.) im westfälischen Hamm aufmerksam gemacht.

Beim 50jährigen Jubiläum der mit 190 Betten/Behandlungsplätzen bundesweit größten universitären kinder- und jugendpsychiatrischen LWL-Klinik Hamm nannte Löb es „eine große Chance, dass Berührungsängste gegenüber der Kinderpsychiatrie geringer geworden sind.“ Familien, Ärzte und Schulen wüssten heute besser als früher, wann ein Besuch beim Psychiater oder Psychologen sinnvoll ist. Das helfe vorzubeugen: „Denn die Hälfte aller seelischen Störungen bei Erwachsenen beginnt schon im Kindes- und Jugendalter, in einer Phase also, in der vieles positiv beeinflusst und die Weichen für ein gesundes Leben neu gestellt werden können“, sagte Löb.

NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens eröffnete die Jubiläumsveranstaltung mit einem Grußwort: „Psychisch kranke Kinder und Jugendliche brauchen lebensweltbezogene, koordinierte Behandlungsangebote. Behandlungskontinuität und eine gesichertere Finanzierung sowie eine ausreichende Personalausstattung sind dabei elementare Voraussetzung. Dafür werden wir uns auf der dafür zuständigen Bundesebene nachdrücklich einsetzen. Neben innovativen Ansätzen in der Versorgung müssen wir uns in der Prävention einer gesamtgesellschaftlichen Verantwortung stellen. Denn die stete Beschleunigung unseres Alltags – von der oft schon Kinder und Jugendliche betroffen sind -, etwa mit überzogenen Leistungserwartungen, vollen Terminkalendern, sowie der Mangel an (Frei-) Räumen in unserer Lebenswelt bedrohen die seelische Gesundheit – nicht nur von jungen Menschen“, sagte Steffens.

Seit 50 Jahren steht die seelische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen, die in einer entscheidenden Phase ihres Lebens mit großen Problemen zu kämpfen haben, im Mittelpunkt der Arbeit an der Universitätsklinik Hamm des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL). Jährlich werden dort mehr als 5.500 junge Menschen mit psychischen Erkrankungen behandelt. Mit 110 vollstationären Betten, 20 Plätzen für die Sucht-Rehabilitation und 60 tagesklinischen Plätzen an den Standorten Hamm, Bergkamen, Soest, Rheda-Wiedenbrück und Warendorf sowie mit ihren ambulanten Behandlungsangeboten zählt die Klinik heute zu den größten kinder- und jugendpsychiatrischen Versorgungseinrichtungen in Deutschland.

„Die großen Patientenzahlen, das breite Behandlungsspektrum aus Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik sowie der Status als Universitätsklinik der Ruhr-Universität Bochum bieten die Möglichkeit, neue Forschungserkenntnisse direkt in den Therapiealltag einfließen zu lassen“, erklärte Prof. Dr. Dr. Martin Holtmann, Ärztlicher Direktor der LWL-Klinik Hamm. Die Veranstaltung lenkte den Blick nicht nur auf die Klinikgeschichte, sondern auch auf neue Entwicklungen in der Kinder- und Jugendpsychiatrie wie etwa auf die Einführung des neuen PEPP-Entgeltsystems. LWL-Direktor Löb: „Hier hofft der LWL auf die Unterstützung des Ministeriums, um die kinder- und jugendpsychiatrische Versorgung im Rahmen von neuen Versorgungsmodellen bedarfsgerecht weiterzuentwickeln.“ Es gelte abzuwägen zwischen modernen Behandlungskonzepten einerseits und regionalen Interessenlagen andererseits.

 


Erstellt am Dienstag, 10. November 2015, 13:01 Uhr