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ESSENZ gegründet: LVR-Universitätsklinik Essen bündelt Expertise zu Essstörungen

Essener Zentrum für Essstörungen begleitet Betroffene über alle Altersgruppen hinweg. Der Zugang zu Hilfe wird erleichtert, die Versorgung verbessert und Behandlungsansätze werden weiterentwickelt.

Prof. Dr. med. Martin Teufel, Ärztlicher Direktor der LVR-Universitätsklinik Essen, bei der Gründungsveranstaltung.

Mit der Gründungsveranstaltung des Essener Zentrums für Essstörungen – ESSENZ – hat die LVR-Universitätsklinik Essen ein Zeichen für die kompetente und spezialisierte Versorgung,
Forschung und Lehre im Bereich Essstörungen gesetzt. Ziel des Zentrums ist es, Betroffene über alle Altersgruppen hinweg besser zu begleiten, wissenschaftliche Kompetenzen zu bündeln und innovative Behandlungsansätze weiterzuentwickeln.

Im Rahmen der Gründungsveranstaltung am 22. Mai 2026 im Lehr- und Lernzentrum der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen betonten Vertreterinnen und Vertreter der Klinik sowie Gäste aus Politik und Wissenschaft die besondere Bedeutung des Zentrums für die Region und darüber hinaus.

Oberbürgermeister Thomas Kufen bezeichnete die Bündelung medizinischer Fachkompetenz als wichtigen Beitrag zur Positionierung Essens als vernetzter Gesundheitsstandort. Essstörungen seien „keine Randerscheinung“, sondern schwere Erkrankungen mit oft lebensbedrohlichen Folgen. „Es geht um den Menschen, der im Mittelpunkt steht“, betonte Kufen. Daraus entwickelten sich Anforderungen an moderne Versorgung, Digitalisierung und interdisziplinäre Zusammenarbeit. Kliniken seien „nicht nur Orte medizinischer Exzellenz, sondern für viele auch Orte der Hoffnung“, was besonders auch für das neue Essstörungszentrum gelte. Gleichzeitig sprach sich der Essener Oberbürgermeister für eine Enttabuisierung psychischer Erkrankungen aus. Monika Schröder, Leiterin des LVR-Fachbereichs Planung, Qualitäts- und Innovationsmanagement, hob insbesondere die Bedeutung kontinuierlicher Versorgung hervor. Menschen mit Essstörungen müssten „ohne Bruch versorgt und begleitet“ werden. Versorgung dürfe nicht in Altersgrenzen gedacht werden, sondern müsse Übergänge zwischen Jugend- und Erwachsenenmedizin aktiv gestalten. Gerade komplexe Erkrankungen benötigten vernetzte Antworten und eine enge Zusammenarbeit unterschiedlicher Disziplinen.

Zugang zur Hilfe erleichtert

Prof. Dr. Martin Teufel, Ärztlicher Direktor und Direktor der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, stellte die Struktur und Zielsetzung von ESSENZ vor. Das Zentrum mache bestehende Kompetenzen sichtbarer und schärfe Behandlungs- und Versorgungspfade. „Es gibt nur wenige Standorte, an denen die Versorgung von der Jugend bis ins höhere Erwachsenenalter so eng verzahnt organisiert ist“, sagte Teufel. Die beteiligten Kliniken – die Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie sowie die Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters – gehörten nicht nur in der Behandlung, sondern auch in Forschung, Leitlinienarbeit und Weiterbildung bundesweit zur Spitze. Menschen aus ganz Deutschland kämen bereits heute für Fortbildungen und spezialisierte Therapien nach Essen.

Zugleich solle ESSENZ den Zugang zur Hilfe erleichtern. Ein gemeinsames „Landing-Portal“ und abgestimmte Behandlungspfade sollen Betroffenen

Thomas Kufen, Oberbürgermeister der Stadt Essen, bei der Gründungsveranstaltung.

und Angehörigen künftig schneller Orientierung bieten. Gerade Menschen mit Essstörungen hätten häufig Schwierigkeiten, geeignete spezialisierte Behandlungseinrichtungen zu finden.

Ressourcen werden gebündelt, um Ursachen von Essstörungen besser zu verstehen

Ein besonderer Schwerpunkt des Zentrums liegt auf der interdisziplinären Zusammenarbeit zwischen Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie Erwachsenenmedizin. Bereits heute werden beispielsweise klinikübergreifend in gemeinsamen Fallkonferenzen individuelle Therapiepläne entwickelt. Ziel sei eine passgenaue und kontinuierliche Versorgung, insbesondere im sensiblen Übergang vom Jugend- ins Erwachsenenalter.

Prof. Dr. Anke Hinney, Leiterin der Sektion Genetik Psychischer Erkrankungen, und Prof. Dr. Jochen Seitz, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, stellten die
Forschungsstrategie von ESSENZ vor. Sie betonten das große Potenzial der engeren Zusammenarbeit der vergangenen Jahre. Das Zentrum könne weit über den Bereich der Essstörungen hinaus Modellcharakter für die Versorgung psychischer und chronischer Erkrankungen entwickeln.

Aus wissenschaftlicher Perspektive erläuterte Prof. Seitz, dass ESSENZ Ressourcen über die gesamte Altersspanne hinweg bündeln werde, um Ursachen von Essstörungen besser zu verstehen und neue Therapien direkt in die klinische Praxis zu übertragen. Rund 15 Prozent aller jungen Frauen zwischen 15 und 25 Jahren seien von Essstörungen betroffen, zunehmend aber auch Männer.

Prof. Dr. Anke Hinney, Leiterin der Sektion Genetik Psychischer Erkrankungen und Prodekanin für Wissenschaftlichen Nachwuchs und Diversität der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen (UDE).

Vorgestellt wurden unter anderem aktuelle Forschungsarbeiten zur sogenannten Mikrobiom-Darm-Hirn-Achse, die Zusammenhänge zwischen Darmbakterien, Gehirnprozessen und Essstörungen untersucht. Außerdem stellte er neue Behandlungsansätze vor, die den Einsatz von KI in die Therapie integrieren. Neben der Beforschung negativer Auswirkungen von Deep Fakes, ist zentrales Ziel deren therapeutische Einsatzmöglichkeiten zu erproben.

Der abschließende Festvortrag von Madeleine Frey, Direktorin des Max Ernst Museums Brühl des LVR, widmete sich dem Thema „Kontrolle und Kontrollverlust im Werk von Max Ernst“. Dabei wurde die Verbindung zwischen künstlerischer Erfahrung und den zentralen Dynamiken von Essstörungen sichtbar: Kontrolle über Essen, Gewicht und Körperbild sowie das Erleben von Kontrollverlust prägen viele Betroffene ebenso wie Angehörige und therapeutische Teams.

Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung vom Streichquartett des Klangkraft Orchesters Duisburg mit Werken von Rolf Løvland und Carlos Gardel.

Veröffentlicht am Donnerstag, 28. Mai 2026

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