Gesund aufwachsen im Revier

Qualität am Scheideweg – ein Plädoyer für die Kinderreha

rehaKIND veröffentlicht mit anderen Verbänden des Gesundheitswesens Positionspapier

Die internationale Fördergemeinschaft rehaKIND ist eine branchenübergreifende Vereinigung von Versorgern, wie Kliniken, Hilfsmittelhersteller, Leistungserbringer, Kostenträger u.a.. Der Verein macht sich für qualitativ hochwertige Versorgungen in der Kinder-Reha stark und sieht sich als unabhängige Plattform zum Austausch aller beteiligten Akteure in diesem Bereich. Nur im Miteinander aller Beteiligten liegt die große Chance, nachhaltig sinnvolle Strukturen und bedarfsorientierte Versorgungsqualität auf- und auszubauen. Zu diesem offenen Austausch lädt rehaKIND alle Beteiligten ein. Der aktuell diskutierte Vertragsentwurf der Barmer GEK veranlasst rehaKIND derzeit zu einer kritischen Stellungnahme, so dass gemeinsam mit anderen Verbänden jetzt ein Positionspapier mit dezidierten Forderungen und Anregungen zum vorgelegten Barmer-Vertragsentwurf erstellt wurde.

Das Bestreben, Verfahren und Prozesse zu vereinfachen und zu definieren, wird von der Internationalen Fördergemeinschaft begrüßt. Das wird zu mehr Versorgungssicherheit bei den betroffenen führen und hoffentlich auch die Dauer des Versorgungsprozesses verkürzen.

Allerdings wird dies – nach Ansicht von rehaKIND und Experten – über eine ungünstige Vereinfachung der Genehmigungswege und Hilfsmittel-/Prozesse zu erreichen versucht:

Gerade die individuelle Versorgung schwerst betroffener Kinder- und Jugendlicher wird in diesem Konstrukt nicht abgebildet. Vielmehr werden „Durchschnittsversorgungen“ dargestellt, die aber mit individuellem Bedarf und echter Kompensation von Handicaps nichts zu tun haben. Auch das langfristige Ziel, mehr Selbstständigkeit und zukünftig weniger Pflegeaufwand durch optimale frühzeitige Versorgung sicher zu stellen, kann so nicht erreicht werden.


Das Positionspapier im Detail und als Download hier:

Die internationale Fördergemeinschaft rehaKIND ist eine branchenübergreifende Vereinigung von Hilfsmittelherstellern, Leistungserbringern, Versorgern und Kostenträgern. Der Verein macht sich für qualitativ hochwertige Versorgungen in der Kinder-Reha stark und sieht sich als unabhängige Plattform zum Austausch aller beteiligten Akteure in diesem Bereich. Nur im gemeinsamen Austausch zwischen allen Beteiligten liegt die große Chance, nachhaltig sinnvolle Strukturen und bedarfsorientierte Versorgungsqualität auf- und auszubauen. Zu diesem offenen Austausch lädt rehKIND alle Beteiligten ein. Der aktuell diskutierte Vertragsentwurf der Barmer GEK veranlasst rehaKIND deshalb zu einer kritischen Stellungnahme.

Ziele des Vertrags

Bei einer Durchsicht des Vertrags sind zwei Ziele augenfällig, die auch aus Sicht von rehaKIND sehr zu begrüßen sind:

  • Vereinfachung der Genehmigungsprozesse für eine schnelle Versorgung der Betroffenen
  • Definition von klaren Prozessstandards für die Qualitätssicherung der Versorgung.

Auch bei den definierten Prozessstandards werden von der Barmer GEK viele Empfehlungen von rehaKIND für den Versorgungsprozess berücksichtigt.

Umsetzung der Ziele

Bei Untersuchung der Leistungsbeschreibung ist festzustellen, dass ein System von produktgruppenspezifischen Festpreisen Anwendung findet. Dieser Ansatz verursacht jedoch das Gegenteil der von den Verantwortlichen gewollten Qualitätssicherung, nämlich einen schrittweisen Qualitätsverlust und eine nicht ausreichende Versorgung gerade der am stärksten Betroffenen. rehaKIND lehnt die Anwendung von Festpreisen bei individuell anzufertigenden Hilfsmitteln grundsätzlich ab.

Festpreisbildung ist eine Durchschnittsbetrachtung und berücksichtigt keine Extreme

Bei der Festlegung des Festpreises muss immer ein Durchschnitt über alle Versorgungssituationen gebildet werden, wodurch der daraus resultierende Preis im unteren Ende tendenziell zu hoch für einen Basisbedarf angesetzt ist, während im oberen Ende für eine komplexe Versorgung die angesetzte Höhe bei weitem nicht ausreicht. Eine Durchschnittsbetrachtung dient gut zur nachträglichen Orientierung über die Höhe der Ausgaben aller Fälle, darf jedoch nicht als Bewilligungsgrundlage eines Einzelfalles herangezogen werden. Hierdurch wird die tatsächliche Realität der Versorgungssituation des Einzelnen verzerrt und gerade die Schwerstbetroffenen werden hierdurch nicht ausreichend versorgt. rehaKIND wehrt sich entschieden gegen diese Benachteiligung der am meisten hilfsbedürftigen Menschen!

Wirtschaftlichkeit wird über die ausreichende Versorgung der Betroffenen gestellt

Alle an einer Versorgung Beteiligten stehen in der Verpflichtung des wirtschaftlichen Handelns. Eine Versorgung im Rahmen der diskutierten Festpreisregelung forciert nach Ansicht von rehaKIND eine „Abwärtsberatung“, um trotz höherer therapeutischer Erfordernisse durch eine Minimalausstattung überhaupt wirtschaftlich sein zu können. Kurzfristiges Einsparungsdenken lässt die erforderliche Nachhaltigkeit und Langfristigkeit – und damit die Qualität – einer Therapiemaßnahme außer Betracht. Lange WÄR-Garantien verstärken diese Situation zusätzlich. Die langfristigen Folgekosten einer Fehl- (weil Unter-) Versorgung können deutlich höher ausfallen als die Kosten einer Versorgung, die das Therapieziel von Anfang an in seiner Gesamtheit berücksichtigt und adäquat finanziert.

Festpreisbildung auf Basis der Produktgruppen reduziert die Versorgungsqualität

Die Struktur der Festpreise folgt der Struktur des Hilfsmittelverzeichnisses. Dieser Betrachtungsrahmen ist für eine Preisbildung zu grob, da das Hilfsmittelverzeichnis in einer Kategorie sehr einfache wie auch hochkomplexe Produkte zusammenfasst.

Beispiel: PG 10.46.02.3xxx

  • Anterior Walker für Kinder         Preisspanne:        480€ – 1.000€ (je nach Ausstattung)
  • Posterior Walker für Kinder       Preisspanne:        680€ – 1.500€ (je nach Ausstattung)
  • Lauflernhilfe/Gehtrainer            Preisspanne:     1.800€ – >5.000€ (je nach Ausstattung)

 

Die Realität des Einzelfalls wird ignoriert, da der individuelle Bedarf einer komplexen Lösung durch die Zusammenfassung in eine Gruppe nicht mehr wirtschaftlich versorgt werden kann und dadurch faktisch aus dem Versorgungsspektrum herausfällt. Durch den Festpreismechanismus droht die Substitution von hochwertigen komplexen Versorgungen zu einfachen Standardversorgungen, woraus ein Trend zu einer deutlichen Verringerung des Qualitätsstandards und einer Unterversorgung mit gravierenden Folgeschäden entsteht. Die größten Verlierer dieses Systems sind die Betroffenen. RehaKIND weist diese systematische Qualitätsverminderung kategorisch zurück.

Festpreiskonzept auf Basis von Produktpreisen bei individuellen Hilfsmitteln nicht möglich

Bei individuellen Hilfsmitteln entstehen deutlich höhere Kosten durch die Erstellung des Versorgungskonzepts, die Erprobung und die Anpassung an die individuellen Bedürfnisse. Dieser hohe Dienstleistungsanteil und Anpassungsbedarf, der sich von Fall zu Fall auch sehr stark unterscheiden kann, darf nicht mit den Produktkosten vermischt werden. RehaKIND fordert hier eine Trennung in Produktkosten und Dienstleitungsvergütung. Nur durch eine adäquate Vergütungsstruktur in Bezug auf Dienstleistungen lässt sich die im Vertrag geforderte Versorgungsqualität gewährleisten. Ein positives Beispiel hierfür ist der Vertrag der Techniker Krankenkasse.

Kernaussage:

Aus Sicht von rehaKIND bedarf es bei individuellen Hilfsmitteln einer Vergütung auf Basis einer einzelfallspezifischen Betrachtung des Bedarfs und nicht auf Basis eines Festpreises. Eine genaue Zieldefinition durch Statuserhebung und Bedarfsermittlung ist hierfür die Grundvoraussetzung, wofür RehaKIND bereits seit Jahren plädiert.

Voraussetzung für die beabsichtigte Qualitätssicherung sind die von Kostenträgern, Therapeuten und Leistungserbringern zu definierenden Versorgungsziele für die Versicherten. Kosteneinsparung wird durch die Verbindlichkeit und Überprüfbarkeit dieser Versorgungsziele erreicht. Eine nicht ausreichende und zielgerichtete Versorgung bedeuten für den Betroffenen den Verlust von Lebensqualität und für das System enorme Folgekosten.

rehaKIND e.V.
ViSdP: Christiana Hennemann, Lütgendortmunder Str. 153, D- 44388 Dortmund, Mail: info@rehaKIND.com


Weitere Informationen: www.rehakind.com


Erstellt am Freitag, 20. November 2015, 12:00 Uhr