Gesund aufwachsen im Revier

OTWorld 2016

Dienstag, 03. Mai 2016 bis Samstag, 07. Mai 2016
bis zum 06.05.2016

Kinder optimal versorgen

Moderne Konzepte für die interdisziplinäre Hilfsmittelversorgung von Kindern

Die bestmögliche Hilfsmittelversorgung von Kindern mit erworbenen oder angeborenen Fehlbildungen sowie Beeinträchtigungen gehört zu einem der Schwerpunkte der OTWorld vom 3. bis 6. Mai 2016. Im Zentrum steht die Diskussion optimaler Versorgungskonzepte in interdisziplinärer Zusammenarbeit von Orthopädie- und Reha-Technikern, Orthopädieschuhmachern, Ärzten, Physio- und Ergotherapeuten. Das Themenspektrum im Weltkongress reicht von der individuellen Rollstuhlversorgung, der interprofessionellen Versorgung des Kinderfußes bis zur Kommunikation mit Kostenträgern. Auf der Weltleitmesse nimmt das Technik-Forum Reha mit der „Gläsernen Werkstatt“ unter anderem die komplexe Versorgung schwerstbeeinträchtigter Kinder in den Fokus.

„Die Versorgung von Kindern liegt dem Programmkomitee des Weltkongresses der OTWorld 2016 ganz besonders am Herzen“, betont Kongresspräsident Professor Dr. med. Frank Braatz, Private Hochschule Göttingen/UMG Universitätsmedizin Göttingen. „Eine interdisziplinäre Herangehensweise ist essenziell, um speziell mehrfach- oder schwerstbeeinträchtigten Kindern zu einem selbstbewussten, möglichst selbstbestimmten Leben zu verhelfen. Alle Beteiligten im Gesundheitswesen tragen hier eine große Verantwortung. In Symposien und Workshops möchten wir Wege zu optimalen Versorgungen aufzeigen, um so flächendeckend einen Wissensaustausch zu ermöglichen.“ Wo es sinnvoll ist, würden zurzeit im Fachbeirat Technische Orthopädie Versorgungspfade erarbeitet und im Rahmen des Kongresses vorgestellt. Damit werde der Versorgungsalltag vereinfacht und weniger abhängig von Einzelfallentscheidungen. „Letztlich soll der Weltkongress durch Wissens- und Erfahrungsaustausch zur Verbesserung der Kinderversorgung beitragen“, hebt der Kongresspräsident hervor.

Kongress: Wegweisende Kooperation in interdisziplinären Teams

Im Kongressprogramm wird die Hilfsmittelversorgung von Kindern aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet sowie an konkreten Beispielen dargestellt. Im Mittelpunkt steht das Teamwork „auf Augenhöhe“ von Technikern, Physio- und Ergotherapeuten, Orthopäden, Neuro- und Sozialpädiatern, das ebenso die Familien und die Kostenträger einbezieht. „Ohne ein gemeinsames, von allen mitgetragenes Hilfsmittelkonzept und eine klare Linie bei der Versorgung kann eine Versorgung nicht erfolgreich sein“, unterstreicht Professor Braatz.

Das Symposium „Individuelle Rollstuhlversorgung vom Kindesalter bis zum Erwachsensein“ in Kooperation mit der Vereinigung für Kinderorthopädie e.V. (VKO) setzt reha-technische Möglichkeiten auf die Agenda. Neurologische Erkrankungen im Kindesalter sowie daraus folgende Aspekte für die Rollstuhlversorgung werden dabei ebenso thematisiert wie Erfahrungen der dynamischen Sitzschalenversorgung oder die Aktivrollstuhlversorgung bei Kleinkindern. Weitere Symposien widmen sich der Kinderorthopädie sowie interdisziplinären Versorgungsstrategien des kindlichen Fußes.

Die Versorgung bei angeborener und erworbener Querschnittlähmung spielt in Beiträgen des Symposiums „Aktuelle Versorgungskonzepte bei Querschnittlähmung“ eine Rolle, das in Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Physikalische Medizin und Rehabilitation e.V. (DGPMR) und der Deutschsprachigen Medizinischen Gesellschaft für Paraplegie e.V. (DMGP) stattfindet. „Gerade die Begegnung mit Kindern, die von einer hohen Querschnittlähmung mit Beeinträchtigung der Atemmuskulatur betroffen sind, berührt uns alle stark und geht nicht mehr so schnell aus dem Kopf“, sagt Professor Braatz, „Um so viel Normalität, Mobilität und Freiraum wie möglich im Kinderleben zu erhalten, müssen diese Kinder adäquat und individuell versorgt werden – damit sie mit anderen Kindern interagieren, Kindergarten und Schule besuchen können.“

In Zusammenarbeit mit rehaKIND e.V. werden im Format „How to treat: Kinderversorgung“ Fälle aus der Praxis präsentiert und Versorgungsoptionen in kleiner Runde diskutiert. Die konstruktive Kommunikation mit den Kostenträgern rückt die Podiumsdiskussion „Gelungene Kinderversorgung – gelungene Kommunikation“ in den Fokus. „Künftig muss sich der hohe Aufwand, den interdisziplinäre Sprechstunden gerade in der Kinderversorgung bedeuten, in der Kostenstruktur des Gesundheitssystems widerspiegeln“, fordert Braatz. „Bislang wird dies von den Kostenträgern nicht entsprechend abgebildet. Um unter engeren ökonomischen Rahmenbedingungen zukunftsfähig zu bleiben, ist Zusammenarbeit der verschiedenen Fachdisziplinen jedoch ein wesentlicher Punkt.“

Weltleitmesse: Individuelle Hilfsmittel im Technik-Forum Reha

Reha-Technik und Orthopädie-Technik wachsen zunehmend zusammen. Die Weltleitmesse beweist dies in eindrucksvoller Weise. Erneut lädt das Technik-Forum Reha mit der „Gläserne Werkstatt“ dazu ein, die komplexe Hilfsmittelfertigung unter anderem für schwerstbehinderte Kinder hautnah zu erleben. Hierin zeigt sich beispielhaft die enge thematische Verzahnung von Weltkongress und Industrieausstellung, von fachlicher Fortbildung und Praxis-Know-how.

Das erfolgreiche Konzept der „Gläsernen Werkstatt“ mit Live-Vorführungen, täglichem Bühnenprogramm und intensiver Kommunikation zwischen Orthopädie- und Reha-Technikern sowie dem Fachkräftenachwuchs der Jugend.Akademie TO, Therapeuten, Medizinern und Kostenträgern wird weiter ausgebaut. Täglich finden moderierte Rundgänge durch die Gläserne Werkstatt statt. Versierte Orthopädie- und Reha-Techniker demonstrieren an mehreren Stationen die individuelle Sitzschalenfertigung und damit komplexen Reha-Sonderbau zum Anfassen.
Auf der zentralen Bühne stellen Techniker, unterstützt von Physiotherapeuten oder Ärzten, ausgewählte Prozesse moderner Patientenversorgung vor. Patienten beziehungsweise Angehörige oder Betreuer ergänzen dies mit Erfahrungsberichten. Zu sehen sind Abformung und Abdruck von Sitzschalen, Steuerungssysteme beim Elektrorollstuhl-Sonderbau, Stehen/Stehmobilisation. Unter dem Motto „Nicht sprachlos bleiben“ wird auf komplexe Versorgungen und Kommunikationshilfsmittel im interdisziplinären Team eingegangen.

Get together für intensive Kommunikation

Zum fachlichen Austausch lädt ein Get together am 4. Mai 2016 ab 15.00 Uhr mit Bühnenprogramm, Werkstattführung für Kostenträger sowie anschließendem Kollegentreff. Eingeladen sind Reha- und Orthopädie-Techniker genauso wie Vertreter der Kostenträger und des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung, Ärzte, Therapeuten und Inhaber von Sanitätshäusern sowie Vertreter von Beratungsstellen/sozialpädiatrischen Zentren.


Erstellt am Montag, 15. Februar 2016, 08:03 Uhr