Kongress

Mehr Verantwortung durch Bund und Länder zur Bekämpfung der sozialräumlichen Ungleichheit von Kindern und Jugendlichen

7. Ruhrgebietskongress zur Kinder- und Jugendgesundheit

Zum nun siebten Mal hat MedEcon Ruhr am Samstag, 11. Juni 2022, unter dem Motto „Gesund aufwachsen im Revier“ zum Ruhrgebietskongress zur Kinder- und Jugendgesundheit diesmal in Dortmund eingeladen. Nach zwei Jahren digitalen Austauschs sind dieses Jahr die rund 150 Teilnehmende aus Gesundheitsversorgung, Jugendhilfe, Bildungswesen, Wohlfahrt, Wissenschaft und Politik wieder persönlich in den Austausch getreten.

Im Mittelpunkt des Kongresses stand die Zunahme sozialräumlicher Ungleichheiten zwischen den Stadtteilen des Ruhrgebiets. Sie betreffen auch die gesundheitliche Lage und die Zugänge zum Gesundheitssystem – insbesondere von Kindern, Jugendlichen und erst recht, wenn es um chronische Erkrankung und Behinderung geht. Eröffnet wurde die Veranstaltung durch den Oberbürgermeister der Stadt Dortmund, Thomas Westphal.

Prof. Dr. Nico Dragano, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Soziologie, gab in seinem Hauptvortrag folgendes zu bedenken: „Wenn man die Daten betrachtet, ist es jedes Mal von neuem schockierend, wie stark die Gesundheit von Kindern leidet, wenn Familien arm sind oder andere Formen sozialer Benachteiligung erleben. Das Engagement der lokalen Akteure ist wichtig, aber es handelt sich um ein gesellschaftliches Problem, das man nicht bei den Kommunen und Kreisen „abladen“ darf.“ In der anschließenden Diskussionsrunde forderten die Diskutanten die Stärkung der kommunalen Partner zur Verbesserung der sozialräumlichen Versorgung von Kindern und Jugendlichen: Durch den Ausbau aufsuchender Hilfen könnten insbesondere die Familien mit hohem Hilfe- und Unterstützungsbedarf nachhaltig erreicht und deren Versorgung verbessert werden. „Doch dafür bedarf es ein stärkeres Ineinandergreifen der verschiedenen Systeme – vom Gesundheitswesen, zur Jugendhilfe bis in die Bildungseinrichtungen – sowie die regelbasierte Finanzierung dieser Angebote.“, betonte Dr. Uwe Kremer, MedEcon Ruhr Geschäftsführer.

Neben der Vertiefung des Plenumthemas wurde in den drei Foren am Nachmittag der inklusive Kinderschutz fokussiert: Kinder mit Behinderung sind einem erhöhten Risiko ausgesetzt, Misshandlung, Vernachlässigung oder verschiedene Gewaltformen zu erfahren. Umso größer ist die Notwendigkeit den Schutz dieser Gruppe in den Fokus zu rücken und professionsübergreifend zu agieren. Um grundsätzlich die Strukturen im Kinderschutz – explizit im Gesundheitswesen – zu verbessern, wurde auf dem Kongress das Positionspapier „Kinderschutz im Gesundheitssystem verankern!“ der kindermedizinischen Fachgesellschaften und Berufsverbände vorgestellt und zur gemeinsamen Unterstützung aufgerufen: „Die Bundesregierung hat jetzt die Chance, den Kinderschutz dauerhaft im Gesundheitssystem zu verankern.“, so Frauke Schwier, Geschäftsführerin der Deutschen Gesellschaft für Kinderschutz in der Medizin. Weitere Organisationen, Verbände und Fachgesellschaften sind nun aufgerufen, sich bei der DGKiM zu melden, um das Positionspapier zu unterstützen.

Veranstalter MedEcon Ruhr zieht eine positive Bilanz: „Der Kongress „Gesund aufwachsen im Revier“ hat sich als Plattform für den so wichtigen regionalen Austausch der Professionen und Institutionen im Bereich der Kinder- und Jugendgesundheit etabliert.“

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­Kontakt Positionspapier

Frauke Schwier, info@dgkim.de