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Kinderschutz geht uns alle an

Bochumer Kongress zeigt Verbesserungsmöglichkeiten auf

Kindergartenschließungen, Schulschließungen und weitere Maßnahmen führten in den Lockdowns 2020 zu einem allgemeinen Rückgang von Hinweisen auf Kindeswohlgefährdungen an die Jugendämter. Auch die Kinderschutzambulanzen in den Kinder- u. Jugendkliniken verzeichneten in dieser Zeit laut der Studie „Medizinischer Kinderschutz während des Corona-Lockdowns“ des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf einen Rückgang von Fällen. Doch dies ist laut den Experten auf dem 2. MeKidS.best Kongress am 08. Dezember kaum auf eine Verringerung von Gewalt, Vernachlässigung und Missbrauch zurückzuführen. Vielmehr muss man von einer hohen, leider unerkannten Dunkelziffer ausgehen.

Ein Blick hinter die Kulissen, kurz vor dem Start des Live-Streams.

Kinderschutz liegt als hoheitliche Aufgabe maßgeblich im Verantwortungsbereich der Jugendämter. „Doch diese sind aufgrund fragmentierter Zuständigkeiten und fehlenden einheitlichen Standards in den Städten und Gemeinden sehr unterschiedlich ausgerüstet. Hier liegt eines der Kernprobleme.“, so Britta Altenkamp, Vorsitzende der Kinderschutzkommission im Ausschuss für Familie, Kinder und Jugend NRW. Auch eine verbesserte Finanzierung der Jugendämter sei notwendig. Die Pandemie hat diese Bedarfe noch einmal in aller Deutlichkeit sichtbar gemacht. Doch bei allen Anliegen zu verbesserten Ausstattungen in der Jugendhilfe gilt nicht weniger dringlich, den Schulterschluss mit denjenigen Institutionen zu suchen, die in alltäglichen Kontexten mit den Kindern und ihren Familien zu tun haben. Neben dem Bildungsbereich ist hier nicht zuletzt das Zusammenwirken mit den gesundheitsversorgenden Einrichtungen – zuvorderst den Kinder- u. Jugendarztpraxen und den Kinder- u. Jugendkliniken – zu systematisieren.

Daher zeigte Dr. Uwe Kremer, Geschäftsführer MedEcon Ruhr, anhand des gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Kinder- u. Jugendmedizin (DGKiM) und dem Berufsverband der Kinder- u. Jugendärzte (BVKJ) formulierten Impulspapiers in sieben Punkten auf, welche Rahmenbedingungen es für einen systematischen und verlässlich leistbaren Beitrag aus dem Gesundheitswesen braucht. „Neben übergreifenden Finanzierungsstrukturen sind hier vor allem auch integrierte Konzepte der Zusammenarbeit mit sozialräumlicher Verankerung erforderlich.“, appellierte Dr. Kremer. Die Politik sei nun gefordert, Rahmenbedingungen zu schaffen. Im neu gewählten Bundestag hätten nun Gesundheitsausschuss und Familienausschuss gemeinsam die Chance, die Weichen dafür zu Stellen.

1.300 Interessierte schalteten sich bundesweit zum hybriden MeKidS.best Kongress zu. Die Aufnahme des Livestreams und weitere Impressionen finden Sie auf der Webseite.

Das Impulspapier finden Sie hier

Infos zu MeKidS.best finden Sie hier

Freitag, 10. Dezember 2021