Essverhalten im Kindes- und Jugendalter
Dr. Kathrin Sinningen ist Ernährungswissenschaftlerin und stellvertretende Leitung des Forschungsdepartment Kinderernährung der Universitätskinderklinik Bochum. Mit ihrer Keynote „Gesunde Ernährung von Anfang an – Chancen und Hürden“ wird Frau Sinningen unseren Kongress zur Kinder- und Jugendgesundheit der MedEcon-Initiative Gesund Aufwachsen im Revier (GESA) am 04. Juli 2026 einleiten und somit die Diskussionsgrundlage für das Thema „Fokus Ernährung: Eine interprofessionelle Herausforderung“ schaffen. Denn Ernährungsgewohnheiten von Kindern und Jugendlichen haben sich in den vergangenen Jahren verändert, werden von modernen Trends geprägt und benötigen Strukturen, die ein gesundes Essverhalten fördern.
Gefragt im Revier: Essverhalten bei Kindern- und Jugendlichen
- Wie haben sich das Essverhalten und die Ernährungsgewohnheiten junger Menschen in den letzten Jahren verändert?
Insgesamt ist bei jungen Menschen oft ein verstärktes Gesundheitsbewusstsein zu beobachten, befeuert durch Social Media Trends. Es geht um Körperoptimierung, Muskelaufbau und high-Protein-Produkte. Perfekte, manchmal auch unnatürliche Körperbilder üben Druck aus und führen zu Unzufriedenheit mit dem eigenen Aussehen. Gleichzeitig gewinnen Veganismus und Vegetarismus an Bedeutung, aus ethischen oder ökologischen Gründen. Trotzdem darf es gerne schnell gehen und so wird häufig zu Fertigprodukten gegriffen. Aus frischen Zutaten selber kochen ist eher die Ausnahme. Essen ist individuell, convenient und findet weniger in der Gemeinschaft statt. Andererseits werden auch viele ungesunde Produkte, wie Energy-Drinks, Eistees oder Süßigkeiten durch Influencer*innen beworben, was zu einem Anstieg des Konsums dieser Lebensmittel führt.
- Welche Ernährungstrends werden die kommenden Jahre im Jugendbereich prägen?
Nachhaltigkeit bleibt vermutlich ein zentrales Thema: Pflanzliche Ernährung, vielleicht auch Insekten als Proteinquelle gewinnen an Bedeutung. Ernährung wird personalisierter durch Apps und Schnelltests aus der Drogerie. Functional Food, das gezielt die Gesundheit fördert, ist im Kommen, aber natürlich als Fertigprodukt und schnell verfügbar. Social Media wird weiterhin Trends wie “Selbstoptimierung” oder Food-Challenges beeinflussen. In diesem Zusammenhang bleibt die evidenzbasierte Wissensvermittlung eine Herausforderung.
- Was für Strukturen wären nötig, um eine gesunde Ernährung/ein gesundes Ernährungsverhalten junger Menschen zu fördern?
Ein gesundes Ernährungsverhalten junger Menschen zu fördern, erfordert eine frühe Ernährungsbildung in Kita und Schule, sowohl für Kinder als auch für Eltern. Neben entsprechenden Lehrplänen sollte die Gemeinschaftsverpflegung mit gutem Beispiel vorangehen und frische, ausgewogene Mahlzeiten anbieten. So kann eine gesunde Ernährung für Kinder und Jugendliche aus allen sozialen Schichten ermöglicht werden. Lebensmittelpolitik muss Zugang zu bezahlbaren, gesunden Lebensmitteln ermöglichen, z. B. durch Subventionen für Obst und Gemüse. Kampagnen in sozialen Medien können Bewusstsein schaffen.




