Traumata, Traumafolgestörungen und psychotherapeutische Versorgung von minderjährigen Flüchtlingen

Die hohe Zahl der begleiteten und unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge und Asylbewerber führen auch im Ruhrgebiet zu erheblichen Anforderungen an die Versorgungssysteme – darunter in erster Linie die Gewährleistung einer menschenwürdigen Unterbringung und die Ermöglichung des Zugangs zu Bildung und Ausbildung sowie eine adäquate gesundheitliche Versorgung. Mit besonderem Blick auf psychische Erkrankungen ist insbesondere Letzteres eine notwendige Voraussetzung für nachfolgende Integrations- und Bildungserfolge.

Viele der minderjährigen Flüchtlinge und Asylbewerber haben in ihrem Heimatland während oder auch nach der Flucht traumatische Erfahrungen gemacht. Diese belastenden Ereignisse, bei denen die Kinder und Jugendlichen in Lebensgefahr geraten, den Tod bzw. Verletzungen anderer Menschen miterleben oder ihre körperliche Unversehrtheit bedroht ist, können zu komplexen Traumafolgestörungen führen. Unbehandelt besteht bei Traumafolgestörungen und anderen psychischen Erkrankungen ein großes Chronifizierungsrisiko. Allerdings entwickelt nicht jeder minderjährige Flüchtling oder Asylbewerber eine psychische Auffälligkeit oder Erkrankung. Entsprechende Schutz- bzw. Risikofaktoren oder auch die sog. Resilienz können die Entwicklung oder das Aufrechterhalten psychischer Erkrankungen hemmen bzw. begünstigen. Für diese Zielgruppe ist es von großer Bedeutung, präventive Angebote im Sinne der Primär- und Sekundärprävention zu entwickeln und systematisch in Betreuungseinrichtungen aber auch z.B. im Bildungswesen zu implementieren.

Für die Erfassung posttraumatischer psychischer Auffälligkeiten im Kindes- und Jugendalter stehen zwar eine Reihe an geeigneten Screeninginstrumenten und Diagnoseverfahren zur Verfügung, ihre Anwendung bei minderjährigen Flüchtlingen ist allerdings auf Grund einer Vielzahl an Faktoren nicht ohne Weiteres möglich. Auch der Initiierung und Durchführung geeigneter psychotherapeutischen Behandlungsverfahren stehen entsprechende Barrieren entgegen: dies sind neben sprachlichen, rechtlichen und bürokratischen Hürden sowie bisher fehlende wissenschaftliche Erkenntnisse über die Thematik. Traumata und ihre Folgen bei jungen Flüchtlingen sowie deren Versorgungsmöglichkeiten sind für pädagogische Fachkräfte und ehrenamtliche Helfer eine besondere Herausforderung. Somit gibt es einen weitreichenden Bedarf an der Entwicklung und Implementierung adäquater Screening-, Diagnostik- und Therapieverfahren. Einerseits ist es von großer Bedeutung, dass die Entwicklungen mit einem ausreichenden wissenschaftlichen Fundament erfolgen. Zugleich ist zu berücksichtigen, dass der Praxis möglichst zeitnah adäquat nutzbare Instrumente zur Verfügung stehen und den Fachkräften das entsprechende Wissen ebenfalls ohne große zeitliche Verzögerungen vermittelt werden kann. Möglichkeiten und Grenzen einer zeitnahen Realisierung und Ausgestaltung sollen im RIN-Kontext mit Akteuren aller dafür relevanten Berufsgruppen diskutiert und gemeinsame Handlungsperspektiven beleuchtet werden.

Aktuelles:

„Traumata, Traumafolgestörungen und Psychotherapie bei minderjährigen Flüchtlingen“

Austausch und Diskussion am Mittwoch, 9.November 2016, 15-18 Uhr, in Bottrop