Aufbau und Formate

Das Regionale Innovationsnetzwerk (RIN) dient dem Aufbau tragfähiger Netzwerkstrukturen, um die Zusammenarbeit in der kindheits- und jugendbezogenen Prävention im Ruhrgebiet zu verbessern. Es stellt eine regionale Plattform dar, die den inter- und transdisziplinären Austausch zwischen den Akteuren erleichtern und Innovationen fördern will. Dabei steht die Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen den Akteuren des Gesundheits-, Bildungs- und Sozialwesens bei der Entwicklung und Durchführung von Präventionsmaßnahmen im Mittelpunkt.

Die Federführung liegt bei MedEcon Ruhr – im Zusammenwirken mit Einrichtungen und Professionen aus dem gesamten Gesundheits- und Sozialwesen. Ein wichtiges Organ ist ein interdisziplinär besetzter Expertenkreis, der das Netzwerk inhaltlich und strategisch begleitet.

Präventionslandschaft im Ruhrgebiet

In der ersten Phase des RIN (April 2014 bis Februar 2015) ging es darum, die verschiedenen Akteure in einem inter- und transdiziplinären Netzwerk zusammenzuführen. Dies setzte eine sorgfältige Aufarbeitung der kinder- und jugendbezogenen Präventionslandschaft im Ruhrgebiet voraus, ebenso wie eine Aufarbeitung der verschiedenen Sichtweisen beteiligter Gruppen auf die Probleme und Herausforderungen, die sich in dieser Landschaft stellen. Es ging darum, Problemstellungen einzugrenzen (problem framing), um sie dann in den weiteren Phasen (bis Herbst 2017) gemeinsam bearbeiten zu können. Die in der ersten Phase gewonnenen Ergebnisse sind an Hand von drei Leitfragen zusammengefasst worden. Sie dienen der Strukturierung der identifizierten Problemstellungen und Lösungsvorschläge und einer gemeinsamen übergeordneten Orientierung der jeweiligen Themenfelder im weiteren Projektverlauf.

Die Leitfragen:

Wie wächst zusammen, was zusammen gehört? Prävention im Spannungsfeld unterschiedlicher Professionen, Disziplinen und Handlungsfelder

Prävention findet immer mehr im Schnittfeld von medizinischen und sozialen Akteuren (unter Einschluss pflegerischer, psychologischer und pädagogischer Berufe) statt. Jedoch stellt sich die Kooperation aus verschiedenen Gründen schwierig dar, z.B. auf Grund unvollständigen Wissens um Möglichkeiten und Grenzen der anderen Sektoren zur Kooperation, unklarer Zuständigkeitsfragen, der Unterschiede bei sozialrechtlichen Rahmenbedingungen und damit bei den Finanzierungsgrundlagen. Wie können diese Hürden unter Beteiligung der Akteure überwunden werden? Welches Wissen muss dafür zunächst generiert und kommuniziert werden? Welche konkreten Lösungsansätze können in dem konkreten Zusammenwirken auf regionaler Ebene geschaffen werden und welche regulatorischen Voraussetzungen sind dafür erforderlich?

Wie kommt Prävention dahin, wo sie hingehört? Zielgruppenorientierung und Erreichbarkeit bei Präventionsmaßnahmen

Die Verteilung von Gesundheit und Krankheit folgt den Mustern sozialer Ungleichheit in der Gesellschaft. Maßnahmen der Prävention haben daher auch den gesellschaftlichen Auftrag, gesundheitliche Ungleichheit zu verringern. Allerdings besteht hier die altbekannte Problematik, dass gerade die Zielgruppen, die die Hilfe am meisten benötigen, nur unzureichend erreicht werden. Hierzu zählen neben Familien in prekären sozioökonomischen Lebensverhältnissen auch Familien mit Migrationshintergrund und alleinerziehende Eltern. Viele Angebote werden aber meist von Bevölkerungsgruppen, die in soliden sozialen und gesundheitlichen Lagen leben („Mittelschichts-Bias“), wahrgenommen. Die Ursachen hierfür sind weitgehend bekannt (z.B. wenig aufsuchende Angebote, ungeeignete Ansprache der Zielgruppe oder Sprachbarrieren), Lösungsansätze aber bisher allenfalls sporadisch vorhanden. Insofern besteht in der Präventionspraxis ein großer Bedarf nach innovativen Partizipationsinstrumenten; ebenso ist eine bessere Kenntnis über die Interessenslagen und Motive der Kinder und Jugendlichen sowie ihrer Familien notwendig.

Wo sind Lücken in den Präventionsketten? Nachhaltiges und am Lebenslauf orientiertes Präventionsmanagement

Mit dem Begriff der Präventionskette wird ein lückenloses Angebot von Präventionsmaßnahmen über den gesamten Verlauf der Kinder- und Jugendphase bezeichnet. Trotz der von allen Akteuren als wichtig erachteten Entwicklung dieser Ketten bestehen deutliche Lücken in einigen Lebensphasen von Kindern und Jugendlichen. Vor allem die altersspezifischen Übergänge in Kindheit und Jugend, die sich auf Grund der Fragmentierung der Strukturen im Gesundheits-, Sozial- und Bildungsbereich ergeben, sind eine große Herausforderung für die Entwicklung von Präventionsketten. Generell erforderlich ist dabei die Generierung von mehr Wissen über diese Lebens- und Übergangsphasen mit ihren Herausforderungen, um Folgerungen für Prävention und Gesundheitsförderung abzuleiten.

Aufbau des RIN

Zum Aufbau des RIN haben eine Vielzahl an Sondierungsgesprächen mit verschiedensten Vertretern auf dem Gebiet der Kinder- und Jugendgesundheit sowie Sondierungsworkshops mit Vertreterinnen und Vertretern aus Pädiatrie, öffentlichem Gesundheitsdienst, Jugendhilfe und sozialem Sektor (vorwiegend aus dem Bereich der freien Wohlfahrtshilfe) beigetragen. Darin sind die zentralen Frage- und Problemstellungen der beteiligten Akteure ermittelt und erörtert worden. Die dort thematisierten Herausforderungen in der Prävention werden aktuell gemeinsam mit den Netzwerkbeteiligten in folgenden Themenfeldern weiterverfolgt:

Kindeswohl und Kindesschutz: Frühdetektion und frühzeitig wirksame Maßnahmen und ihre Verankerung in multiprofessionellen und sektorübergreifenden Versorgungs- und Vertragsmodellen

Präventives Case Management bei chronischen Erkrankungen: Modellierung von Präventionsketten, die primäre, sekundäre und tertiäre Maßnahmen miteinander verschränken und die medizinische, soziale und pychologische Betreuung in Form eines präventiven Case Managements gewährleisten

Präventionsmanagement in Quartieren: Kooperative Präventionsmodelle für Stadtteile und Kommunen mit besonderen Bedarfen und Strategien für den Zugang zu schwierigen Zielgruppen

Die thematisierten Entwicklungsfelder und Herausforderungen in der Prävention im Ruhrgebiet sind im Ergebnisbericht zur ersten RIN-Phase zusammengefasst.

Formate des RIN

Das RIN ist als dynamisches Netzwerk angelegt, welches einerseits von den Ideen und Anregungen seiner Mitglieder lebt und andererseits aktuelle Trends in der Präventionslandschaft des Ruhrgebiets schnell und unbürokratisch aufgreifen soll. Die Netzwerkarbeit erfolgt in verschiedenen Formaten: Zentral werden die Themenfelder in unterschiedlichen Veranstaltungs- und Austauschformaten innerhalb des RIN mit Vertreterinnen und Vertretern diverser Einrichtungen und Professionen aus dem gesamten Gesundheits- und Sozialwesen aufgegriffen und thematisch in Hinblick auf potenzielle Lösungsvorschläge und weiterführende Fragestellungen verfolgt. Der aktuelle Zwischenstand der Aktivitäten wird auf den RIN Foren der Öffentlichkeit präsentiert.

Als transdisziplinäres Netzwerk spielt der bilaterale Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis im RIN eine besonders wichtige Rolle. Das RIN versteht sich als wissenschaftliches „Reallabor“, dessen Leitfragen und Themenstellungen anschlussfähig an wissenschaftliche Diskurse in medizinischen und gesellschaftswissenschaftlichen Disziplinen sind bzw. auch aus der Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Forschungsstand hervorgegangen sind. In den jährlichen RIN Kolloquien wird der wissenschaftliche Diskurs verschiedener Disziplinen zur Prävention im Kindes- und Jugendalter angeregt (z.B. aus Medizin, Psychologie, Raumplanung, Sport-, Erziehungs-, Bildungs- oder Sozialwissenschaften, etc.).